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Gatsby - der Blick zurück nach vorne ⋆ Schoenes Wissen
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Gatsby - der Blick zurück nach vorne

Gatsby – der Blick zurück nach vorne

Nun auch noch nen Klassiker! Aber einer von denen, die man gelesen haben muß und die auch nicht aus der Zeit kommen – im Gegenteil! Ich will gar nicht mit der Handlung langweilen, die viele sicher kennen werden. Nachlesbar ist sie ansonsten hier.

Gatsby, der auf den ersten Blick ja als neureicher Emporkömmling und Partygeber eher unsympathische Züge zu haben scheint, ist am Ende eines: Ein liebeskranker hoffnungsloser Romantiker. Erkrankt an seinem Wunsch, seine Frau zurückzugewinnen, die er meint, nur mit Reichtum überzeugen zu können und nur dann ebenbürtig gegen ihren Mannn antreten zu können. Seine ganze Motivation und all sein Handeln steht nur unter diesem Stern.

Und genau das macht ihn – obwohl die Idee zwar naheliegend, aber dennoch absurd ist – so sympathisch und liebenswert. Jedenfalls für Menschen, die auf diese Gefühle stehen. Gatsby frisst sich selbst. So wie man sich an einer unerfüllten Liebe auffressen kann, wenn man dazu bereit ist. Jemanden, der dem Glauben verfällt, er müsse mit Äußerlichkeiten, eben seinem Geld und Auftreten, überzeugen, obwohl er eigentlich nur ein grenzenloser Romantiker ist.

“ So we beat on, boats against the current, borne back ceaselessly into the past.“ – der letzte Satz.

So kämpfen wir weiter, wie Boote gegen den Strom, und unablässig treibt es uns zurück in die Vergangenheit. So die Übersetzung in meiner Version.

Es klingt so negativ und dabei doch so positiv, verwirrend ambivalent, das eine vermittelnd und das andere meinend. Aber eben das ist es ja auch. Positiv denkende Melancholie. Das, was uns letztlich treibt. Die Liebe zu etwas, der Drang liebevoll und damit intensiv etwas zu erleben, zu fühlen, zu machen. Manchen macht das Angst. Alleine deshalb, weil sie es selbst so nicht können. Oder sich in irgend einer Weise bedrängt und bedroht fühlen, sich in sich winden, der Bauch gegen den Kopf kämpfend. Und zu wirklichem Gefühl nicht in der Lage.

Es endet in vielerlei Hinsicht tragisch im Roman. Das kann und muß nicht immer so sein, und manchen mag das dann auch erst einmal abstoßen. Schließlich ist Romantik und Liebe ja positiv besetzt. Da wünscht man sich ja auch eher ein happy end als mehrere Tote. Aber irgendwie sind es diese dichten inhaltsschweren leichten Sätze, die es ausmachen und diese Dichte in ja nur rd. 200 Seiten vermitteln. Das nicht loslassen können von seinem Plan, seiner großen Liebe, das unerfüllt bleiben dabei. Und vielleicht ist es für manche Menschen sogar mehr Liebe, dem Unerfüllten nachzurennen als deren Erfüllung zu erleben. Vielleicht haben andere wiederum Angst davor, daß sie solch dichten Gefühlen aufsitzen und mit ihnen konfrontiert werden, Angst davor, selbst dabei entdeckt zu werden, ertappt zu werden, und der Flucht wohin auch immer beraubt.

Angst löst drei Dinge aus – Flucht, Angriff oder totstellen. Die meisten stellen sich letztlich nach Angriff und Flucht tot. Und lassen nichts aus, was ihnen als Reaktion geboten wird. Angst vor sich selbst letztlich, nicht vor dem Gegenüber. Der oder die Gegenüber löst das nur aus, deshalb wird er oder sie ihnen unheimlich. Und dem entgeht man doch am besten. Wie dem dunklen Keller. Weil sie ja den dunkeln Keller und die damit verbundenen Ängste bestens kennen. Und gar nicht auf die Idee kommen, daß am Ende des dunklen Kellers auch mal etwas anderes sein kann als Angst.

Man kann den letzten Satz im Gatsby sicher auf mehrere Art und Weise interpretieren. Eine ist eine rein vergangenheitsorientierte. Eine andere eben die, daß uns die Vergangenheit oft davon abhält oder hindert, das richtige zu tun. Gegen den Strom schwimmen ist an sich ja gut, aber es macht einen unberechenbarer als die Masse, die im Schwarm schwimmt. 1000 kleine Fische bilden einen Schwarm und damit scheinbar einen großen Fisch. Es ist eben so einfach, das mitzumachen. Geht der Trick auf, ist man auch gerettet vor dem bösen Räuber. Ist der Räuber schlauer, trifft es eben alle und alle verlieren. Auch gut. Dann ist man ja nicht selbst schuld, es waren ja die 999 anderen.

Warum nicht romantisch alles versuchen wie Gatsby? Ist das nicht letztlich bewundernswert? Auch sein Glaube und Vertrauen daran und darin? Es mag am Ende an der Realität vorbeigehen, und wahrscheinlich ist sie, seine Angebetete es auch letztlich nicht das ganze „wert“. Aber sein Gefühl ist es das doch. Sein Gefühl das Richtige für das Richtige und Wertvolle zu tun. Und das Scheitern in Kauf zu nehmen. Keine Angst davor zu haben, es nicht im Schwarm zu versuchen, sondern auf dem eigenen Weg. Meine Bewunderung hat er dabei. Jedenfalls deutlich mehr als die Begehrte, die wohl dem liebes- und gefühlsarmen vermeintlich sicheren alten Geld mehr Vertrauen schenkt als dem windigen, aber undurchschaubaren und in echter Liebe ertrinkenden neuen.

Menschen lieben das Überraschende und Spannende. Und ebenso macht es ihnen gleichzeitig Angst. Unberechenbarkeit verunsichert sie. Sie können damit nicht umgehen. Sie freuen sich darüber, aber nur für den Moment, nicht für die Dauer. Der kurze kick ist dir sicher, aber nicht das stetige. Unkalkulierbar wird negativ besetzt vom Kopf, weil es eben nicht planbar ist. Dabei ist es genau das, was das Leben so lebenswert macht. Und nicht alles Unberechenbare ist eben auch negativ. Man muß sich nur darauf einlassen können und sich darüber freuen, wenn es zu einer Überraschung kommt.

Überraschungen sind positiv besetzt. Vielleicht sollten sich die Menschen, die vor dem Unberechenbaren Angst haben, vor Augen führen, daß es eben alles Überraschungen sind. Und sie so auch als solche sehen und hinnehmen. Sich darauf freuen, ihnen entgegenfiebern. Statt auf den verkopften Schwarm zu hören und ihm ohne Überaschungen im Strom zu folgen.

Vielleicht ist das eine Lehre vom großen Gatsby.

Ok, ich gebe zu, es hat mich ziemlich weit getrieben. Aber so ist das nun manchmal. Und so ist es auch gut so. Geschriebene Bilder, die Gedanken auslösen, können nicht verkehrt sein. Selbst wenn man am Ende und mit dem Wissen des Ganzen etwas anders machen würde. Aber man weiß das Gasnze eben nie. Nie dann, wenn man es bräuchte. Erst am Ende und mit Abstand. Das ist dann der Blick zurück. Nach vorne. Um es beim nächsten Mal vielleicht genau wieder so zu tun, und dann mit vollem Anlauf und doch ganz anders.

In Kürze läuft die Neuverfilmung mit Leonardo di Caprio, Tobey Maguire und Cary Mulligan an. Sicher sehr sehenswert und dem Anschein nach auch alleine wegen der Bilder schon interessant. Im übrigen gibt es eine Verfiilmung mit MiaFarrow und Robert Redford. Die ist es auch schon. Aber das Buch sollte jeder irgendwann einmal gelesen haben.

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